Sieben

Wie oft sagen wir im Alltag

Das ist ein Buch mit sieben Siegeln für mich!

Damit drücken wir aus, dass etwas rätselhaft, undurchschaubar und unverständlich ist. Das Buch mit 7 Siegeln ist ein bekannter Ausspruch. Doch was hat er mit dem christlichen Glauben zu tun?

In der Offenbarung des Johannes, dem letzten Buch der Bibel, wird von diesen 7 Siegeln gesprochen: 7 Augen, 7 Berge, 7 Donner, 7 Geister, 7 Hörner, 7 Könige, 7 Posaunen

Ebenfalls fällt auf, dass sich der Name «Jesus» an 7 Stellen und «Christus» an 2×7 Stellen finden lässt.

Doch auch sonst wimmelt es in der Bibel von der Zahl 7:

  • In den ersten 5 Büchern der Bibel wird von einem Sabbatjahr alle 7 Jahre und einem Jubeljahr alle 7×7 Jahre berichtet.
  • Bei Jesaja finden sich die 7 Ausprägungen des hl. Geistes.
  • Im Johannesevangelium vollbringt Jesus als Mensch 7 Wunder. Ebenfalls beschreibt er sich selbst mit 7 Ich-bin-Worten

Es gäbe noch unzählige weitere Beispiele. All dies deutet darauf hin, dass 7 die wichtigste Zahl der Bibel ist. Sie steht für Vollendung und Perfektion. Gott erschuf die Welt in 6 Tagen und vollendet die Schöpfung in dem er am 7ten Tag ruhte. Im Hebräischen besteht der allererste Satz der Bibel aus 7 Wörtern.

Wäre das nicht Grund genug, über die Zahl 7 nachzudenken, wenn sie mir das nächste Mal begegnet?

Mutter Teresa

Nachdem die Soldaten Jesus gekreuzigt hatten, sagte er: Mich dürstet.

So schreibt es der Evangelist Johannes. Aber was hat dieser Ausspruch Jesu mit Mutter Teresa zu tun?

Agnes Gonxha Bojaxhiu, besser bekannt als Mutter Teresa, wurde 1910 in Skopje, Mazedonien geboren. Mit 18 Jahren trat sie in die Loretto-Gemeinschaft ein und wurde als Lehrerin und Leiterin einer Schule nach Indien geschickt.

Ihr Leben änderte sich radikal, als sie am 10. September 1946 die mystische Stimme Jesu hörte, der zu ihr sprach «Mich dürstet!» Von diesem Tag an ging Mutter Teresa zu den Ärmsten der Armen. In Kalkutta gründete sie die Schwesterngemeinschaft «Missionaries of charity», die Missionarinnen der Nächstenliebe, die heute weltweit verbreitet sind.

Manches an Ihrem Werk wurde kritisiert: schlechte medizinische Versorgung in den Hospizen, Zwangstaufen und Missionierung, intransparente Buchhaltung von Millionen von Spenden. Trotz all dieser Vorwürfe war das Leben und Wirken von Mutter Teresa eine Herkules-Leistung. Dafür erhielt sie 1979 den Friedensnobelpreis.

Doch woher bekam diese Frau die Kraft, um all das zu tun? Nicht Politik, nicht soziales Engagement. Sie selber hat einmal gesagt:

Mein Geheimnis ist ganz einfach: Ich bete. Durch das Gebet werde ich eins mit Christus, wenn er sagt: «Mich dürstet».

Doch wonach dürstet Jesus? Nach Liebe, nach einer Liebe, die sich in der Nächstenliebe vollendet und genau darauf gründete Mutter Teresa ihr Leben.

Reliquie

Wenn man schon das Kreuz verehrt, an dem Jesus starb, muss man auch den Esel verehren, auf dem er ritt.

So verteidigte im neunten Jahrhundert Bischof Claudius von Turin nicht etwa diesen Esel selber, sondern eine Reliquie, eine ganz besondere Reliquie. Was aber ist das?

Das Wort stammt vom Lateinischen relinquere, zurücklassen. Reliquien sind sozusagen «heilige Überbleibsel». Sie ermöglichen ein besonderes Zusammentreffen, bei dem der Himmel auf Erden fassbar wird: Der Himmel zum Anfassen.
Es versteht sich daher, dass ihre Nachfrage damals wie heute gigantisch ist: Fan-Artikel medialer Helden boomen, auch wenn man bei den heutigen Stars oft die Erhabenheit der Tugend vermisst, wegen der man die Heiligen ehrt.
Und dann ist da noch das riesige Angebot: Wer nicht um eine göttliche Strafe fürchtet, kann fast alles zu einer angeblichen Reliquie machen.

Bischof Claudius hat so wortwörtlich aus Scheisse Gold gemacht. Denn die eingangs genannte Reliquie ist der Kot des Palmesels. Freilich muss man gegen die Kreuz-Esel-Gleichung einwenden, dass das Kreuz Christi eine andere Bedeutung für das Heil der Welt hat als sein Reit-Esel. Ausserdem bedeutet einen Esel zu verehren noch lange nicht, seinem Kot zu huldigen.

So soll dieses Beispiel auch nicht zum Spott über heilige Überreste anregen. Absus non tollit usum. Missbrauch gab es, ja. Doch dies verunmöglicht nicht den rechten Gebrauch. Denn wer schon die Erbstücke seiner Familie in Ehren hält, wird es doch noch vielmehr mit den Leibern heiliger Vorbilder und ihren Erbstücken tun.

Totentanz

So alt wie jeder von euch ist, so lange habe ich schon mit euch getanzt. Der eine hält den Tanz länger aus als der andere, doch wenn die Lichter verlöschen, dann sinkt ihr alle müde in meine Arme – das nennt man sterben.

So spricht der Tod beim dänischen Märchenerzähler Hans Christian Andersen. Der Tod beschäftigt die Menschen seit jeher. Daher wurde er immer auch religiös verarbeitet, philosophisch, in der Kunst oder wie gerade: literarisch.

Der tanzende Tod ist ein Motiv aus Mittelalter – und Pestzeit. Er begegnet uns als Skulptur oder Malerei in Kirchen und an Friedhofsmauern.

Johann Rudolf Feyerabend: Der Prediger Totentanz, Aquarellkopie von 1806.

Dabei werden Menschen verschiedener gesellschaft-licher Stellung abgebildet: Männer und Frauen, Junge und Alte, Bischöfe und Bauern tanzen paarweise mit skeletthaften Todesfiguren und werden vom Ranghöchsten bis zum Niedrigsten mit ihrer Vergänglichkeit konfrontiert: Keiner kann sich dem Sterben entziehen, alle sind gleich, wenn der Tod sein „Memento mori“ spricht: „Gedenke, dass du sterben wirst“.

 

Berühmte Darstellungen des Totentanzes entstanden auch in der Schweiz, etwa im 17 Jhd. in Luzern. Dort ist bis heute in den Giebelfeldern der Spreuerbrücke, der mit 45 Holztafeln umfangreichste öffentliche Totentanz des Landes zu besichtigen. – Modernere Varianten, losgelöst vom kirchlichen Kontext, interpretieren das Motiv neu: Als Mahnung gegen Krieg oder wie in den 80er Jahren von Harald Naegeli, dem „Sprayer von Zürich“, gegen Bausünden und Umweltverschmutzung.

Man sieht es hat sich auch heute noch nicht ausgetanzt…

Tret-Bilder

«Tret-Bilder» – Bilder auf die man tritt.
Von der christlichen Missionierungsgeschichte in Japan – einer gescheiterten Mission – davon erzählen die Tret-Bilder.

1549 kommt mit dem Jesuiten Franz Xaver das Christentum in den fernen Osten. 30 Jahre nach seiner Ankunft in Japan zählt die christliche Gemeinschaft auf der Insel bereits 150’000 Anhänger. Das Christentum gewinnt an Einfluss in der Gesellschaft und am Hof des Kaisers.

Doch bereits 1614 – nur 65 Jahre nach der Ankunft von Franz Xaver – wird das Christentum kurzerhand verboten. Im Erlass steht zu lesen: «Das Christentum ist der Keim einer grossen Katastrophe und muss zerquetscht werden.»

Es beginnt die Vertreibung der christlichen Patres aus Japan. Wer zurück bleibt und dem Glauben nicht abschwört, setzt sich der Gefahr der Folter und einem grausamen Tod aus.

„fumie“ – Tret-Bild

Um die Menschen in den Dörfern zu überprüfen oder um sie vom Christentum abzubringen, reisen Beamte des japanischen Hofes durch das Land und fordern die Menschen auf, mit den Füssen auf Heiligenbilder zu treten – auf sogenannte «fumie» zu Deutsch: «Tret–Bilder». Die Bronzentafeln zeigten Darstellungen von Jesus am Kreuz oder Maria mit Kind – ikonische Darstellungen also, die den Christen heilig sind.

In Japan spielt das Christentum heute kaum mehr eine Rolle. Dass die Geschichte einmal anders geplant war, erzählen die Bronzetafeln, die heute noch im Museum in Tokio zu finden sind – platt getreten und blank poliert von Tausenden von Füssen.

Ostern

Schokohasen in den Regalen künden schon ab Februar das Osterfest an. Gefeiert wird Ostern am Sonntag nach dem ersten Frühlingsvollmond. Es ist darum naheliegend wie der Kirchenvater Beda Venerabilis Ostern vom Namen der germanischen Frühlingsgöttin Eostre oder Ostara abzuleiten.

Die germanische Göttin Ostara ist zwar nicht belegt und die Herkunft des deutschen Ostern unsicher. Gesichert ist aber der althochdeutsche Begriff Ostara, der möglicherweise wie das lateinische in albis für Morgenröte verwendet wurde. In der Morgenröte am dritten Tag nach seinem Tod – so die Bibel – suchten Frauen Jesu Grab auf und fanden ihn nicht. Er war nicht im Tod geblieben, sondern auferstanden.

Resurrection, Sr. M. Manuela Gächter 2008
Resurrection, Sr. M. Manuela Gächter 2008

Die Auferstehung Jesu steht nicht für sich, sondern ist Teil der Heilsgeschichte Gottes mit den Menschen. Wie beim jüdischen Pessachfest lassen die alttestamentlichen Lesungen der Osternacht diese Heilsgeschichte lebendig werden.

Durch die Taufe, die in der Osternacht ihren eigentlichen Platz hat, werden die Christen in diese Heilsgeschichte hineingenommen. Sie sind auf den Tod Jesu getauft und werden darum auch mit ihm leben. An Ostern feiern wir nicht nur die Auferstehung Christi, sondern den Sieg des Lebens über den Tod. Den Sieg, wie ihn uns der Frühling zeigt, wenn die Natur zu neuem Leben erblüht.

Fresszettel

Schnell einen Gedanken auf ein loses Stück Papier kritzeln. In die Tasche stecken. Später wieder hervornehmen. Ein Fresszettel ist geboren. Dass niemand diesen Fresszettel tatsächlich «fressen» würde, versteht sich von selbst. Doch dem war nicht immer so.

Schluckbildchen, Kupferstich aus dem 18. Jahrhundert. (Wikimedia)
Schluckbildchen, Kupferstich aus dem 18. Jahrhundert. (Wikimedia)

Zwischen dem 18. und 20. Jahrhundert kannten gläubige Menschen einen speziellen Brauch: Mit dem Verschlucken von kleinen Marienbildchen hofften vor allem Pilger auf himmlischen Segen und heilende Kräfte. Dem Lexikon für Theologie und Kirche zufolge wurden diese «Schluckbildchen» bogenweise mit bis zu 130 Stück pro Blatt an bekannten Wallfahrtsorten verkauft und anschliessend von Geistlichen gesegnet. Ein einzelnes Schluckbild war meist nicht grösser als eine Briefmarke. Die Erweiterung dieser «seelischen Nahrung» bildeten die «Esszettel». Mit einem handgeschriebenen Bibelvers oder einem Gebet versehen, wurden diese kleinen Zettelchen verschluckt, in Wasser aufgelöst oder unter Speisen gemischt. Auch den «Esszetteln» sprachen die Menschen besondere Kräfte zu. Entsprechend wurden die Zettel gegen Krankheiten eingenommen. Belegen zufolge wandten Gläubige diese magische Kur besonders bei Fiebererkrankungen an. Gemäss dem Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens stand in diesem Fall auf dem Zettel geschrieben: «Fieber bleib aus, XY ist nicht zu Haus.“ Der Glaube an diese geistliche Volksmedizin ging soweit, dass «Esszettel» sogar Tieren, vor allem gegen Tollwut, unter das Futter gemischt wurden.

Der Vatikan wusste von diesem Volksglauben. Noch im Jahre 1903 nahm die römischen Ritenkongregation allerdings keinen Anstoss an den Esszetteln, sofern der Ausschluss jeglichen Aberglaubens gewährleistest war.

Der heutige Fresszettel ist frei von Aberglaube und magischen Kräften, aber dafür voller Ideen.

Klausur

Geschnitzter Türsturz im Kloster Cazis, Bild: Sr. M. Manuela Gächter
Geschnitzter Türsturz im Kloster Cazis, Bild: Sr. M. Manuela Gächter

Sie treten durch die Pforte eines Klosters. Im Eingangsbereich nehmen sie eine Tür wahr mit der Aufschrift Klausur. Wie auch bei Klausuren in der Schule oder bei Klausurtagungen ist diese Tür verschlossen.

Der Klausur – wie übrigens auch dem Kloster – liegt das lateinische claudere, schliessen zugrunde. Klausuren sind Räume oder Veranstaltungen hinter verschlossenen Türen. Die klösterliche Klausur ist eine Einrichtung, welche die Klosterräumlichkeiten von der Aussenwelt trennt.

Den Zugang in bestimmte Bereiche des Klosters für Aussenstehende zu verwehren, hat vorerst einen ganz praktischen Grund: Es sichert die Privatsphäre der Mönche und Nonnen. So kommt das Klausur-Schild im Kloster dem Privat-Schild in einem Restaurant gleich. Nebenbei schützt besonders in unsicheren Zeiten die Klausur durch das Eintrittsverbot für Unbefugte – sofern vorhanden – Kirchenschatz und Bibliothek vor Plünderung.

Strenge Klausuren wie sie in kontemplativen Klöstern bestehen, haben noch eine weitere Funktion: Sie sichern die Abgeschiedenheit. Menschen hinter Klausurtüren treten freiwillig aus der Alltagswelt mit ihren Ablenkungen heraus, um sich ganz auf das Wesentliche, auf Gott zu konzentrieren. Ihre Art der Welt zu dienen ist, diese im Gebet vor Gott zu tragen.

Das also verbirgt sich im Kloster hinter der verschlossenen Tür.

Tradition

Tradition…!“ – Mit diesem Ausruf erlangte er Weltruhm, Tevje, der berühmte Milchmann aus Anatevka im Musical ‚The Fiddler on the Roof‘ von Sholem Alejchem. In hintergründigen Monologen denkt der verarmte Tevje über die Heiratswünsche seiner Töchter nach und wägt das Für und Wider der jüdischen Tradition ab. Er weiss, was er an seiner Tradition hat, aber er hadert auch mit ihr und das macht ihn auch aus theologischer Sicht sympathisch.

Holzofenbrot Wikimedia
Holzofenbrot (Wikimedia)

Wer Tradition sagt, meint zuerst Qualität: Das Bier wird nach dem traditionellen Reinheitsgebot gebraut und verspricht ungetrübten Trinkgenuss. Der Bäcker wirbt für sein Holzofenbrot mit dem Slogan „Aus Tradition gut“. Und wenn ein Backrezept von Generation zu Generation weitergegeben wird, passt das zur ursprünglichen Bedeutung des Wortes, denn das lat. traditio  heisst „Weitergabe, Überlieferung“.

Bei der Weitergabe des Glaubens ist es oft schwieriger als beim Bäcker: Die Kirche bäckt mit traditionellen Zutaten, aber der Geschmack der Kunden hat sich verändert. Den einen schmecken nur die alten Rezepte, die anderen wünschen sich längst neue. Die Konservativen wollen ängstlich die Vergangenheit retten und sind blind für die Gegenwart. Den Progressiven gehen die dringend nötigen Reformen nicht schnell genug. Für beide gibt es ein modernes Rezept, das selber wiederum traditionell ist: „Prüft alles, behaltet das Gute“ sagt Paulus im 1. Thessalonicherbrief Kap. 5  Vers  21.

Weil Tradition heisst, sich glaubend dem Wandel zu stellen, können wir als Kirche in Zukunft  ruhig noch mutiger mit dem Slogan werben „Aus Tradition gut“. Genau wir der Bäcker von nebenan, dessen Steinofenbrot Qualität hat und so wunderbar duftet.

Verdammt

«Verdammt». «Du verdammter Idiot». Wir verdammen jeden Tag.

Der Ursprung des Wortes steckt im lateinischen «damnare». Büssen lassen, verurteilen, verwerfen.

Mit dem Verb «verdammen» verurteilen, kritisieren und verwerfen wir jemanden oder etwas (hart beziehungsweise vollständig). Oder aber wir zwingen oder verurteilen ein Subjekt oder eine Sache zu etwas: die Menschen sind zur Armut verdammt.

Das Nomen «Verdammnis» hingegen meint das Verworfensein (vor Gott) oder Höllenstrafe. In der kirchlichen Lehrtradition des Mittelalters wurde «Verdammnis» weithin als Synonym für Hölle gebraucht und betonte das Verfehlen des letzten Ziels im Leben eines Menschen: die Anschauung Gottes. Desweiteren wurde es von der Kirche bis in die Neuzeit als Strafe für häretisches Handeln ausgesprochen. Damit verbunden war der Ausschluss aus der kirchlichen Gemeinschaft.

Heute benutzen wird am häufigsten «verdammt»; als Steigerungsform von «sehr gross» beziehungsweise als Intensivierung eines Adjektivs oder Verbes: «verdammt gross»; «verdammt schön». «Verdammt» als Fluchwort drückt Wut, Ärger oder ähnliches aus und unterstreicht das im Nomen «Verdammnis» Ausgedrückte. Wird eine Sache verdammt, untermalt es deren Widerwärtigkeit oder Unannehmlichkeit: dieser verdammt Regen. Zusätzlich auf eine Person bezogen bringt es eine Verwünschung zum Ausdruck. Einem «verdammten Idioten» wünschen wir also rein etymologisch eine Höllenstrafe und das damit verbundene Verfehlen des letzten Ziels im Leben dieses Menschen. Ob der Idiot das verdient hat, steht auf einem anderen Blatt.