Alle Beiträge von Thomas Jehle

Ostiarier

Was fällt Ihnen ein, wenn Sie an einen Türsteher denken? Wahrscheinlich ein muskelbepackter Hüne, der bei Konzerten und Partys oder vor Diskotheken und Klubs den Zugang kontrolliert.

Weniger denken Sie wahrscheinlich an ihren pensionierten Dorfpfarrer, der genau das aber einmal war – zumindest dem Titel nach und wenn er vor 1972 zum Priester geweiht wurde.

In diesem Jahr schaffte Papst Paul VI. die niederen Weihen ab –  bis dahin erhielt jeder, der Diakon und Priester werden wollte, zuvor fünf Beauftragungen zu unterschiedlichen liturgischen Diensten. Die erste Beauftragung war die zum Ostiarier, also zum „Türsteher“, was sich vom lateinischen Wort „Ostium“ für Türe ableitet.

Die Ostiarier sind seit dem 3. Jhd. bezeugt : Männer, denen die Sorge um das Kirchengebäude anvertraut war. Sie öffneten die Türen der Kirche und sollten sie schützen. Sie wiesen den Büßern und Ungetauften ihre Plätze zu und läuteten die Glocken.

Mit der Zeit verlor der Ostiarier seine praktische Bedeutung –  Symbolisch jedoch sind alle Christen, so Papst Franziskus bei einer Ansprache, zum Dienst des Ostiarius beauftragt. Denn sie sollen die Türen der Kirche öffnen und alle Menschen in ihr willkommen heißen. Denn anders als bei einem normalen Türsteher, betont der Papst weiter, hat es in der Geschichte der Kirche niemals ein Amt von jemand gegeben, der den Menschen die Türe vor der Nase zuschlägt.

Totentanz

So alt wie jeder von euch ist, so lange habe ich schon mit euch getanzt. Der eine hält den Tanz länger aus als der andere, doch wenn die Lichter verlöschen, dann sinkt ihr alle müde in meine Arme – das nennt man sterben.

So spricht der Tod beim dänischen Märchenerzähler Hans Christian Andersen. Der Tod beschäftigt die Menschen seit jeher. Daher wurde er immer auch religiös verarbeitet, philosophisch, in der Kunst oder wie gerade: literarisch.

Der tanzende Tod ist ein Motiv aus Mittelalter – und Pestzeit. Er begegnet uns als Skulptur oder Malerei in Kirchen und an Friedhofsmauern.

Johann Rudolf Feyerabend: Der Prediger Totentanz, Aquarellkopie von 1806.

Dabei werden Menschen verschiedener gesellschaft-licher Stellung abgebildet: Männer und Frauen, Junge und Alte, Bischöfe und Bauern tanzen paarweise mit skeletthaften Todesfiguren und werden vom Ranghöchsten bis zum Niedrigsten mit ihrer Vergänglichkeit konfrontiert: Keiner kann sich dem Sterben entziehen, alle sind gleich, wenn der Tod sein „Memento mori“ spricht: „Gedenke, dass du sterben wirst“.

 

Berühmte Darstellungen des Totentanzes entstanden auch in der Schweiz, etwa im 17 Jhd. in Luzern. Dort ist bis heute in den Giebelfeldern der Spreuerbrücke, der mit 45 Holztafeln umfangreichste öffentliche Totentanz des Landes zu besichtigen. – Modernere Varianten, losgelöst vom kirchlichen Kontext, interpretieren das Motiv neu: Als Mahnung gegen Krieg oder wie in den 80er Jahren von Harald Naegeli, dem „Sprayer von Zürich“, gegen Bausünden und Umweltverschmutzung.

Man sieht es hat sich auch heute noch nicht ausgetanzt…